Wir schauen auf unser Nachbarland Polen und seine Geschichte: Vor fast 50 Jahren kämpften mutige Menschen von der Gewerkschaft Solidarność (polnisch: Solidarität) dafür, dass das Volk in dem damals kommunistischen Regime demokratisch mitbestimmen und seine Meinung sagen durfte. Vorher war das, seit Ende des Zweiten Weltkrieges, nicht erlaubt. Aus den Forderungen wurde eine Massenbewegung. Tausende Menschen gingen auf die Straße.

Wir haben den Freiheitsaktivist und Zeitzeugen Wladislaw Niegosz befragt, der 1980 bei der Gewerkschaft „Solidarität“ NSZZ in Jelenia Góra engagiert war. Es wurde ihm 2017 eine Auszeichnung, das Kreuz der Freiheit und Solidarität, verliehen. Das sagt er über früher und heute.

 

Über die politischen Aktivitäten in den 1980er-Jahren:

Wie war es bei Solidarnosz?

Sehr gut und aufregend.

 

Was haben Sie bei Solidarnosz gemacht?

Ich habe für die Freiheit in Polen gekämpft. Ich habe zum Beispiel eine Zeitung gehabt und ein Theater geführt

 

Sie wurden sogar eingesperrt. Wieso mussten Sie zum Internierungsort Nysa?  

Weil die Aktivitäten für Solidarnosz verboten waren. (Anmerkung der Redaktion: Polen war damals eine Diktatur und es gab keine Presse- oder Meinungsfreiheit.)

 

Kannten Sie den Präsidenten von Solidarnosz, Lech Walesa, persönlich?

Ja, ich kannte Lech Walesa. Er wurde dann Staatspräsident von Polen von 1990 bis 1995.

 

Welche Rolle spielten Sie und Ihr Bruder, der in Polen bekannt ist, in der Solidarnosz?

Mein Bruder Roman Niegosz war Regierungsmitglied und hat mit Lech Walesa im Parlament zusammengearbeitet. Ich war eher im Hintergrund.

 

Welchen Beruf hatten Sie (bis zur Rente)?

Ich war Schreiner. Ich habe in der Holzindustrieschule gelernt und war dann an einer Meisterschule mit einer Prüfung als Schreinermeister.

 

Wann wurde Ihnen das Kreuz der Freiheit und Solidarität überreicht?

2017.

 

 

Über das Privatleben:

Wann sind Sie nach Deutschland gekommen?

Im August 1986. Es werden dieses Jahr genau 40 Jahre.

 

Sie wohnen in Mannheim. Gefällt es Ihnen gut dort, wo Sie wohnen?

Ja, ich habe mich gut eingelebt und finde es schön hier.

 

Wo gehen Sie spazieren?

Im Herzogenriedpark gehe ich spazieren.

 

Wo haben Sie, bevor Sie nach Deutschland gefahren sind, gearbeitet?

Im Sägewerk 16 Jahre, dann vier Jahre in einer eigenen Schreinerei.

 

Welchen Abschluss haben Sie in der Schule gemacht?

Abitur plus Meisterschreinerprüfung.

 

Haben Sie Kinder?

Ja, drei Töchter und von denen habe ich vier Enkelkinder.

 

Was machen Sie in der Rente?

Ein bisschen Fahrrad fahren und mit den Enkelkindern spielen.

 

Was interessiert Sie?

Aktuelle Politik in Deutschland und in Polen und der Sport.

 

Wohin fahren Sie in den Urlaub?

Jetzt momentan reise ich krankheitsbedingt nicht. Fr war ich öfter an der Ostsee.

 

Haben Sie Haustiere?

Nein, nicht mehr. Früher hatte ich einen Hund namens Rocky.

 

Interview und Foto von Alexander