Am 6. September 2026 ist in Speyer Oberbürgermeisterwahl. Seit acht Jahren ist Stefanie Seiler von der SPD im Amt. Sie tritt gegen Mike Oehlmann von der FDP an. Jugendliche ab 18 Jahren, die in Speyer wohnen, sind wahlberechtigt. Alle zwischen 18 und 26 Jahren können zum ersten Mal bei der Oberbürgermeisterwahl mitentscheiden. Die Redaktion des Jugendblogs Speyer und Alexander von der IGS Press haben Frau Seiler im Media:TOR getroffen und sie interviewt. Sie will, dass Jugendliche sichtbarer in Speyer werden und mehr mitbestimmen dürfen.

 

Frau Seiler, wie haben Sie sich auf die OB-Wahl vorbereitet?

Erstmal durch acht Jahre Amtszeit. Ich hoffe doch, dass einiges davon sichtbar ist. Selbstverständlich sind im Rahmen des Wahlkampfes andere Termine dazukommen. Die Vorbereitung fängt damit an, sich nominieren zu lassen und bereitzuerklären, erneut zu kandidieren. Dazu kommt, eine Kampagne aufzubauen, eng mit Agenturen zusammenzuarbeiten, Fotos zu machen, Zeitfenster für Infostände zu haben, Veranstaltungsformate zu überlegen, zum Beispiel machen wir eine Kneipentour. Da treffen wir hoffentlich zahlreiche Menschen über 18, die wir ansprechen können. Das ist der Wahlkampf. Und der andere Aspekt ist, zu schauen, welche Themen wir gesetzt haben in den letzten acht Jahren: Welche Themen müssen wir kritisch reflektieren? Was müssen wir ganz anders machen? Das bekommen wir auch von der Jugend gesagt. Es ist immer ein lebenslanges Lernen fernab von Wahlkämpfen.

 

Gibt es Themen für Jugendliche, die Ihnen am Herzen liegen?

Ja. In erster Linie ist es mir ganz ganz wichtig, die Jugend sichtbarer zu machen. Es ist bedauerlicherweise so, dass auch bundesweit das Thema Bildungspolitik einen relativ rudimentären Stellenwert hat. Das fängt nicht nur bei den sanierten oder nicht sanierten Toiletten an – der Investitionsstau in den Schulen ist horrend. Das zeigt mir, dass wir in der jetzigen Generation und davor viel zu wenig investiert haben: zum einen in die bauliche Substanz, damit ihr moderne Lernorte habt, und auf der anderen Seite, dass die Jugend ihre Räume hat. Damit meine ich nicht nur Jugendcafés oder Jugendzentren. Es gehört auch dazu, sich im Freien in der Stadt aufzuhalten. Man hat seine Plätze, bei uns war es früher die Domwiese. Und auch die gesellschaftliche Akzeptanz sollte da sein, zum Beispiel wenn die Jugendlichen an einem heißen Tag erst abends Basketball spielen in einer Parkanlage. Das finde ich ganz ganz wichtig. Damit verbunden den Optimismus und die Bestärkung in die Jugend. Ihr seid die Zukunft! Es ist es mir ganz ganz wichtig, positiv darüber zu sprechen.

 

Was möchten Sie für Jugendliche verbessern?

Wir müssen als Gesellschaft kritisch darüber reflektieren, dass wir euch zu wenig Raum geben. In vielen Bereichen tun wir für Kinder ganz viel, haben tolle Spielplätze in Speyer. Auch für die mittlere Altersgruppe, auch für die Seniorinnen und Senioren, die auch wir optimieren können. Aber die Jugendbeteiligung möchte ich stärken: fragen, was Ihr wirklich wollt und was zu euch passt. Ich nenne ein Beispiel: Wir haben Skateranlagen in der Stadt. Mich hat ein Jugendlicher angeschrieben, 14 Jahre, dass er gern einen Ortstermin mit mir hätte. Es gibt in Speyer den Verein Rollbrett. Die Jugendlichen haben uns gesagt, dass es toll sei, dass wir die Anlage bereitgestellt haben. Aber: „Da kann man gar nicht gescheit skaten. Ihr habt völlig falsche Materialien hingestellt“, sagten sie. Danach haben wir gedacht: Es kann ja nicht sein, dass wir uns überlegen, wie das funktioniert. Sondern ihr (Jugendlichen) müsst uns sagen, was Ihr braucht. Jetzt haben wir eine enge Verbindung. Wir versuchen die Gelder über Spenden zu bekommen und die jugendlichen Skater sagen uns, was sie brauchen. Und dann bestellen wir genau das.

 

Was wollen Sie tun, damit die Fahrradfahrerinnen und -fahrer – auch auf dem Schulweg – mehr Sicherheit haben?

Wir brauchen ganz klar eine andere Verkehrspolitik in Speyer. Ich bin davon überzeugt, auch im Sinne von Nachhaltigkeit und Klimaschutz brauchen eine Verkehrswende. Wir sind die Stadt der kurzen Wege: Es ist total pragmatisch, Fahrrad und Fußgänger zu fördern. Aber braucht‘s Platz. Das ist der Vorteil – aber der Nachteil ist, die Stadt ist zu kompakt. Also müssen wir darüber diskutieren, wie wir die Verkehrsteilnehmer priorisieren. Ich rede nicht über Verzicht oder anderes, was negativ dargestellt wird. Insbesondere bei den Schulwegen müssen wir die Fahrradfahrer und Fußgänger priorisieren. Das kommt auch den Autofahrern zugute. So wie es im Moment ist, sind alle auf allen Ebenen gestresst. Wir brauchen bessere Fahrradwege, insbesondere in Richtung der Schulen brauchen wir Fahrradstraßen, die auch welche sind. Da müssen wir uns ehrlich machen: Es bringt nichts, Einbahnstraßen für Fahrräder zu öffnen. Es muss sicher sein – also ohne Autoverkehr.

 

Wenn Sie 50.000 Euro für die Jugendlichen in Speyer bekommen würden: Wofür würden Sie das Geld investieren?

Ich würde die Jugendlichen fragen, vielleicht könnten wir einen Jugendhaushalt (Geldtopf) machen mit Ideen, die eingereicht werden können und dann Abstimmung unter den Jugendlichen und dann wird’s umgesetzt.

 

Und die Schnellfragerunde…

Facebook oder TikTok?

Gar nix von beiden. Ich bin bei Instagram.

 

Saumagen oder Tofu?

Die Frage ist auch schwer: Tofu würde ich da eher nehmen.

 

Gibt es noch ein anderes Pfälzer Gericht, das Sie gerne mögen?

Da bin ich eher bei der Bratwurst oder beim Leberknödel.

 

Wenn ich heute im Jugendstadtrat wäre, würde ich…

… der Verwaltung Dampf machen, dass sie endlich für die Jugend mehr tut.

 

Haben Sie noch ein Abschluss-Statement an die Jugendlichen?

Liebe Jugendlichen der Stadt Speyer, am 6. September findet die Oberbürgermeisterwahl statt. Für mich ist es ganz, ganz wichtig, dass ihr vom Wahlrecht Gebrauch macht. Informiert euch gerne vorher über die Kandidatin und den Gegenkandidat (Mike Oehlmann). Informiert euch auch über die OB-Wahl hinaus über die unterschiedlichen Parteien, die es in Speyer gibt und stärkt unsere Demokratie. Die Welt scheint mit einfachen Antworten beantwortet werden zu können – so einfach ist es aber nicht. Oftmals hat es unterschiedliche Rahmenbedingungen, Herausforderungen. Da möchte ich euch motivieren, im Sinne der Demokratie euch zu stärken. Und auf der anderen möchte ich euch versprechen, dass wir euch Jugendliche viel viel stärker in den Blick nehmen müssen, dass wir Verantwortung für euch haben. Das ist mein Anliegen und ich hoffe, dass ihr das in den nächsten Jahren auch merkt. Vielleicht engagiert ihr euch auch politisch und könnt eure Stadt Speyer selbst mitgestalten.

 

Danke sehr für das Interview, Frau Seiler!

 

Interviewfragen von Alexander, 8. Klasse