Die weiße Tür hinten im Sekretariat. Sie bleibt für die meisten Schülerinnen und Schüler zu, doch Frau Fischer-Wolfert sitzt seit Herbst 2025 als unsere Schulleiterin dahinter und möchte dies ändern. Wir haben mit ihr über ihren Weg zur Schulleiterin und ihre Wünsche für unsere Schulgemeinschaft gesprochen.
Warum sind Sie Direktorin geworden? Was mussten Sie dafür tun?
Die ganzen Jahre, als ich Lehrerin war, auch in meiner alten Schule in Ludwigshafen, fühlte ich mich wohl und hatte gar keine Ambitionen, in die Schulleitung zu gehen. Als ich Stufenleitung für die 7. und 8. geworden bin, hat sich das so ergeben. Denn dann wurde ich didaktische Koordinatorin und vom früheren Schulleiter Herrn Nauert gefragt, ob ich stellvertretende Schulleiterin werden möchte – und das bin ich dann auch geworden. Da Herr Weinstein, mit dem ich sehr gerne zusammengearbeitet habe, nur zweieinhalb Jahre geblieben ist, wurde seine Stelle frei und ich dachte mir: Jetzt kann ich ja auch Schulleiterin werden. Und jetzt bin ich auch angekommen in dem Job, ich fühle mich sehr wohl, denn es ist ein ganz abwechslungsreicher Beruf. Ich weiß morgens nie, was auf mich zukommt. Ich habe zwar ein paar Termine, aber alles andere ist eine Überraschung! Es ist zwar viel und zeitweise auch anstrengend, aber es macht mich ziemlich glücklich.
Was muss man für den Beruf mitbringen?
Man muss Führungskompetenzen haben, gut mit Kollegen arbeiten und Konflikte lösen können, und immer da sein, wenn jemand Hilfe braucht. Man braucht Sozialkompetenz, um da zu sein, wenn Schülerinnen und Schüler mal Blödsinn machen. Man muss die Schule nach außen repräsentieren, zur Stadt, zur ADD (Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion) oder zum Bildungsministerium. Es geht auch viel um Schulentwicklung: Selbst wenn wir hier schon vieles haben, kann man an der einen oder anderen Stelle noch etwas ändern.
Wollten Sie schon immer Lehrerin werden?
Nein, ich habe nach der Schule erst eine Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin gemacht und in verschiedenen Firmen und auf vielen Messen gearbeitet. Mein Schwerpunkt damals war Frankreich. Dann habe ich gemerkt, das war’s nicht. Ich habe Kinder bekommen und habe bemerkt, dass ich gerne mit Kindern und Jugendlichen arbeite. Deshalb habe ich mich für die Arbeit mit Jugendlichen entschieden: Ich habe lieber mit Pubertätsproblemen zu tun als mit Schnürsenkeln. Anschließend habe ich Lehramt in meinem Heimatort Hildesheim bei Hannover studiert. Und habe angefangen als Lehrerin zu arbeiten.
Welche Fächer unterrichten Sie?
Ich habe Deutsch, Englisch und Mathe studiert. Später dann noch Darstellendes Spiel (DS). In den letzten Jahren habe ich hauptsächlich DS und Englisch unterrichtet. Deutsch schon länger nicht mehr und Mathe habe ich nur kurz unterrichtet. Mittlerweile unterrichte ich nur noch DS. Das ist auch mein Lieblingsfach, das beste, was es gibt (aber pssst, nicht laut sagen).
Was machen Sie gerne in ihrer Freizeit?
Ich spiele gerne Theater, in einer Speyerer Theatergruppe. Wir proben gerade eine griechische Geschichte, die heißt „Lysistrata“. Ansonsten habe ich einen Hund, mit dem ich gerne unterwegs bin. Ich fahre sehr gerne in den Urlaub, mit unserem Campingbus, allerdings kann man das nur in den Ferien machen. Die sind ja knapp bemessen, da gibt’s zu wenige (lacht). Ich lese auch gerne, aber am liebsten spiele ich Theater.
Ende Januar mit den Halbjahreszeugnissen haben Sie eine Assembly mit der gesamten Schulgemeinschaft eingeführt. Warum?
Das war eine Entscheidung, die von mir initiiert wurde, aber dann von anderen mitentschieden wurde. Assembly heißt ja auf Englisch Versammlung. Die kenne ich aus meiner Studienzeit in England und fand es richtig gut dort, weil ich glaube, dass dadurch der Zusammenhalt der Schule gestärkt wird. Damit wir uns als eine Schulgemeinschaft sehen, zusammenhalten, füreinander Verantwortung übernehmen. Ich möchte, dass wir auch für die Umgebung, in der wir ganz viel Zeit verbringen, Verantwortung übernehmen und es uns so schön wie möglich machen. Ich möchte die Schülervertretung (SV) stärken. Die Assemblys sind so gedacht, dass die Schülervertretung sie organisiert und ihre Themen anbringt. Und wenn’s mal Themen von uns gibt, dann präsentieren wir die auch. Es soll eine Zusammenkunft der Schulgemeinschaft sein. Jeder, der was sagen und sich einbringen will, darf auch was sagen. Das ist ja auch Demokratie.
Warum ist es Ihnen wichtig, dass jeder bei der Assembly mitreden darf?
Eine Schule ist nichts anderes als ein Staat im Großen: Jeder kann sich einbringen und etwas Gutes machen. Das kann ich machen, indem ich mich auf kommunaler Ebene (in der Stadt oder Gemeinde) aufstelle, zum Beispiel im Jugendstadtrat engagiere (da haben wir ja auch drei Vertreterinnen und Vertreter aus unserer Schule!) oder in der Schule, als Schülersprecher oder Klassensprecher. Ich kann mich aber auch ohne Amt melden und Verbesserungsvorschläge und Tipps geben. Meine Herzensangelegenheit ist, dass sich die Schülerinnen und Schüler einbringen. Nicht nur bei der Versammlung, man kann auch zur SV gehen und sagen, was einen stört oder es in der Klasse ansprechen: Wir haben hier viele verschiedene Möglichkeiten, solche Infos weiterzuleiten, zum Beispiel die TUT-Stunden oder die Schülervertretung. Jeder kann und soll sich einbringen, das wäre mein Wunsch.
Was hat sich verändert, seit Sie Direktorin sind?
Ich bin ja noch nicht so lange Direktorin. Ich finde, dass sich seit Herrn Weinstein schon vieles atmosphärisch verändert hat. Positives Miteinander, lockerer Umgang. Ich habe mit Herrn Weinstein schon seit 2005 zusammengearbeitet, deswegen sind wir sehr ähnlich in unseren Herangehensweisen. Es hat sich schon verändert, dass ich viele Gespräche geführt habe, um verschiedene Ideen umzusetzen. Aus der Lehrerschaft kamen sehr viele Ideen und wir sind gerade dabei diese umzusetzen, das ist ein größerer Prozess. Ich möchte die Schülervertretung stärken, das haben wir schon durch eine erste Assembly gemacht. Seit den wenigen Monaten gibt es noch nichts Konkretes, was sich verändert hat, denn die Prozesse brauchen etwas länger, als man sich es wünscht.
Wie fühlen Sie sich als Direktorin?
Ich fühle mich hier sehr wohl! Ich habe mein Büro etwas umdekoriert und umgestellt und bin in dieser Schulleiterin-Position gut angekommen, weil es mir einfach Spaß macht. Dadurch, dass ich seit 20 Jahren an einer IGS in Rheinland-Pfalz bin. Natürlich ändern sich auch Dinge. Veränderung ist auch wichtig, aber trotzdem kann ich auf einen guten Erfahrungsschatz zurückgreifen, der mir viel hilft in meiner Position. Ich fühle mich echt glücklich. Es macht mir Spaß mit den Schülerinnen und Schülern, aber auch den Eltern zu arbeiten. Wir haben hier so viele tolle Schüler, aber auch Eltern und Kollegen.
Vielen Dank für das Interview!
Interview: Memet, Lucie
Text: Nuria